Ambivalenz in der Bindungsangst

Ein neues Wort im Zusammenhang mit Bindungsangst ist Ambivalenz. Das heißt „Ja“ sagen, aber „Nein“ meinen.

Das wars? So einfach? … Nein, kein Thema auf dieser Seite ist soo einfach. Das wäre ja langweilig 😉

Also warum sage ich „Ja“ und meine eigentlich „Nein“. Das hat ein paar Ursachen.

Meist ist es so das ich es dem Gegenüber recht machen will. Also meiner Partnerin. Bei Freunden kann ich auch „Nein“ sagen (wenn auch nicht so flüssig). Bei der Familie ist es auch schon schwer zu sagen was ich wirklich denke. Ambivalenz drückt sich ja nicht nur in „Ja“ und „Nein“ aus. Das war nur zur Verdeutlichung. Im Grunde geht es um ziemlich alle Arten der eigenen Meinung. Ob politische Diskussionen, was es zum Abendbrot gibt, wo es in den Urlaub hin geht, ob es Sex gibt oder nicht, etc.pp.
Dabei gehen manche Themen besser und manche gar nicht. Es ist ja nicht so das ich nie meine Meinung sage. Aber gerade Themen wo sowieso schon immer dicke Luft entsteht, sind ein „No go“ für mich. Dann sage ich das was sie hören will… nicht was ich will. Ich versuche zu „erraten“ was sie gern hören möchte und sage das. Auch wenn meine eigentliche Meinung eine ganz andere ist.

Also warum? Um sie nicht zu verärgern, Streitereien und unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen.
Darunter irgendwo liegt: „Sie bloß nicht verärgern. Sonst könnte sie ja Schluss machen und gehen.“ (Verlustangst)
Und darunter liegt eine emotionale Abhängigkeit. (Aber das ist ein anderes Thema.)

So, Ambivalenz heißt also das ich etwas (zu)sage, was ich aber eigentlich gar nicht so meine und will. Was passiert dann?
Nun, irgendwann kommt der Punkt wo das Gesagte „eingelöst“ werden muss. Wenn meine Freundin z.B. fragt ob wir uns am Mittwoch treffen wollen und ich zugesagt habe (aber eigentlich gar keine Lust habe), dann ist Mittwoch der Tag X. Und dann passiert meist eines von 2 Dingen:

1) Ich sage (wahrscheinlich) sehr kurzfristig ab, mit irgendeiner Ausrede.
2) Ich treffe mich mit ihr, bin aber mies gelaunt, weil ich ja eigentlich keine Lust habe und vielleicht sogar eigentlich was anderes geplant hatte (in meinem Kopf). Das kommt gern mit passiver Aggressivität einher. Wenn ich sie ziemlich stark (subtil) spüren lasse das es mir nicht passt.

Apropos subtil… das passt sehr gut zur Ambivalenz. Man muss ja meist irgendwie wieder aus der Situation raus kommen… oder wenn man nicht raus kommt, dann lässt man es gern den anderen spüren. Gerade meine passive Aggressivität ist da sehr subtil. Ich kann meiner Partnerin ja nicht meine Meinung sagen. Finde es ja aber kacke was da gerade passiert. Ich will es ja eigentlich nicht, kann das aber auch nicht so direkt sagen. Also lasse ich sie es spüren, wie wenig mir das passt. Das ich eigentlich gar keine Lust drauf habe. Aber das muss so passieren, das sie mir am besten nicht böse sein kann deswegen, denn sonst könnte sie ja sauer werden und wir hätten wieder streit (was dann – früher oder später – doch passiert). Ich will das sie meine Gedanken liest und merkt wenn ich keine Lust auf etwas habe. So das ich es nicht aussprechen muss. (Passiert natürlich auch nicht. … Obwohl, manchmal schon.)

Ambivalenz entsteht auch durch Verantwortungslosigkeit (jetzt gerade macht das Wort für mich erst richtig Sinn). Keine Verantwortung für sich selbst und seine eigene Meinung zu übernehmen.
Hier kommt auch wieder schön das Geflecht meiner Psyche raus. Alles hängt miteinander zusammen. Wäre ich ein gereifter und erwachsener Mann, dann würde ich für mich stehen und meine Meinung vertreten. Ich würde Dinge offen ansprechen, egal was es ist. Ich bräuchte nicht hinten rum irgendwelche passiv Aggressive Attacken machen. Da ist dann natürlich auch wieder das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen als Wurzel.

Was macht dieses Ambivalente Verhalten in der Zwischenmenschlichkeit?

Es zerstört Vertrauen. Stell dir vor dein(e) Partner(in) sagt oft „Ja“ und meint aber „Nein“. Ihr verabredet euch und sie sagt jedes 2 Treffen ab oder ist mies gelaunt und lässt dich spüren das ihm/r das Treffen eigentlich gar nicht passt (nix mit liebevoller Zweisamkeit). Du kannst dich nicht auf ihr/sein Wort verlassen, weil es sehr oft gebrochen wird… oder einfach nur leere Worte sind. Wenn du hörst „Ja, ich mache dies und das.“… aber es passiert nie.
Du weißt nie woran du wirklich beim anderen bist. Meint er/sie das jetzt wirklich so oder traut er/sie sich nur wieder nicht die eigene Meinung zu sagen und macht es dann hinterher doch anders.
Zumal es auch gern mit („Not“)Lügen einhergeht. Im Grunde ist es ja lügen, wenn man „A“ sagt und „B“ meint. Man kommt da auch schnell mal in Bedrängnis, um sein Konstrukt aufrecht zu erhalten. Zum Beispiel wenn ich mal wieder ein Verabredung kurzfristig absagen muss und einen Grund brauche. Zack, schon ein Problem das am besten mit einer Lüge zu lösen ist. Und dabei kann man sich dann so schöne Sachen zurecht basteln, wo der/die Partner(in) nicht mal was gegen sagen kann (wer das öfter macht wird richtig gut darin). Was willst du denn sagen wenn dein/e Partner(in) sagt „Ich musste dringend meiner Mam helfen.“ oder „Mein Auto hat gestreikt.“ Oder ähnliches. Keine Schuld auf sich nehmen… sonst hätte man auch ja auch gleich „Nein“ sagen können.

Es macht dich fertig, weil du oft das Gefühl hast fehl am Platz zu sein. Nicht gewollt zu sein. Das deine 2. Hälfte dir das Gefühl gibt gar nicht deine 2. Hälfte sein zu wollen.  Du kommst dir irgendwie schuldig vor, manchmal weißt du vielleicht gar nicht warum… aber das Gefühl ist da.

Um so länger die Beziehung dauert und um so öfter die Situationen auftauchen um so mehr gerät man unter Druck (bzw der/die Partner(in)). Irgendwann kommt er/sie dahinter und fängt an zu verstehen was da los ist. Das man mir nicht trauen kann. Dann wird es immer komplizierter. Er/Sie versucht es dann zu verstehen. Sich hineinzuversetzen… was niemals möglich ist, für niemanden. Denn nur man selbst weiß was in einem los ist. Selbst wenn ein anderer, der genauso Ambivalent ist, es versuchen würde, würde es nicht funktionieren. Denn hier geht es um das Individuum Mensch. Jeder ist anders. Und wenn man sich selbst nicht ausdrückt, wir einen niemand verstehen können. Und genau das macht den/die Partnerin wahnsinnig (im wahrsten Sinne des Wortes). Manche verlieren sich so sehr darin den ambivalenten Part verstehen zu wollen, es aber einfach nicht können…das sie psychisch extrem unter Druck geraten.

Das ist auch extrem schwer zu erklären. Ich wünsche das keinem. Ich habe es bei 2 Frauen erlebt. Es war damals schon schlimm mit anzusehen und heute – mit dem Wissen und den Erkenntnissen die ich jetzt habe – tut es mir unendlich leid, was ich den beiden angetan habe.

Oh warte, mir hat das damals leid getan? Warum habe ich es dann gemacht?
Diese Frage liegt mit Sicherheit jeder/m Partner(in) auf der Zunge. Und sie ist verdammt schwer zu beantworten. Ich habe beide geliebt (auch wenn ich das damals nie ausgesprochen hätte). Sie waren mir so nah wie kein anderer Mensch. Sie waren meine Partnerinnen. Und natürlich geht es mir auch schlecht wenn es ihnen schlecht geht.
Doch der Punkt ist das ich mir selbst am nächsten war/bin. Erst erfülle ich meine Wünsche und Bedürfnisse und Gefühle… und dann alle anderen. Zum anderen kannte ich mich nicht. Ich habe es nicht verstanden. Ich habe mich und meine Reaktionen für „normal“ gehalten und immer gut vor mir verteidigt.

Ambivalenz ist eine zerstörerische Sache. Man kann einem ambivalenten Menschen nicht vertrauen. Aus gutem Grund. Das kriegt auch der ambivalente irgendwann mit.
Was also tun? Eigentlich ganz einfach: Sagen was man wirklich denkt.
Das ist es. Mehr nicht. Und trotzdem so schwer umzusetzen. Denn genau weil man das nicht kann, tut man alle diese ambivalenten Dinge. Aber es gibt nur diesen Weg, früher oder später.

Ich bin auch noch nicht an dem Punkt, gebe mir aber mühe darauf zu achten, wenn ich ambivalente Dinge sage und es auch nicht zu tun, wenn ich es kann.
Ich glaube ich muss mehr „erwachsen“ werden. Mehr in meine Männlichkeit kommen. Meine Stärke aufbauen. Mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen kriegen. Denn das sind mal wieder die Wurzeln. Sind die Wurzeln stark, ist der Baum stark.

Kleine Schritte… aber Schritte.

Ambivalenz bei Wikipedia

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