Bindungsangst – Beziehungsgestört – Die wichtigste Erkenntnis für mich.

Kennst Du das auch. Man sagt da irgendwann mal ein Wort… so im Gespräch fällt es… und dann denkt man, man weiß jetzt alles.

Ich hatte mal ein Gespräch mit meiner Freundin. Lass es 3-4 Monate her sein. In unserer Beziehung lief es mal wieder schlecht. Wir haben dann beide festgestellt das wir ja irgendwie schon „Beziehungsgestört“ sind. Sie sagte es. Ich sagte es. War ein irgendwie ein gutes Gefühl es mal so auszusprechen. Wie jetzt genau… naja, wir haben halt ein Problem eine glückliche Beziehung zu führen.

Dann war das Gespräch vorbei und … gut ist. Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Geschweige denn mich mal informiert was das heißt.

Und dann kommt manchmal der Zufall ins Spiel.
Vor ein paar Tagen – ich weiß nicht mehr wie oder warum – habe ich dann das Wort „Bindungsangst“ gegoogled. Der erste Eintrag war gleich Wikipedia. Ich mag Wikipedia, weil es – so hoffe ich – mit Fakten gefüllt ist. Und nicht mit irgendwelchem Kram den sich mal jemand zusammengereimt hat. (So wie diese Seite hier 😀 )
Und so habe ich die Seite durchgelesen und… es war der Hammer. Ich bin aus dem „Ja, kenne ich.“ und „Ja, das bin ich.“ gar nicht mehr rausgekommen.

Dann habe ich noch weitere Webseiten durchgelesen… immer mit dem gleichen Ergebnis. 95% der beschriebenen Symptome treffen auch mich zu.

Und das hat sich… irgendwie gut angefühlt. Das ist schwer zu erklären. Ich habe schon vorher Dinge rausgefunden die auf mich zutreffen. Wie z.b. passive Aggressivität. Aber irgendwie hat mich das nie ‚befriedigt‘. Es war immer noch das Gefühl da „Da ist noch mehr.“. So ein diffuses Gefühl das dies nicht der Hauptgrund für meine Beziehungsprobleme war. Aber ich konnte es nicht beschreiben… nicht greifen.

In dem Moment wo ich diesen Artikel gelesen habe und die Beschreibung bzw. Symptome für „Bindungsangst“ … da wusste ich: Das ist es. Das ist dieses diffuse „Etwas“.
Jetzt hatte es einen Namen. Bindungsangst!
Das war irgendwie befreiend. Es ist die Antwort auf eine (versteckte) Frage die ich schon Jahre mit mir rumtrage. Sie war immer da… aber nie wirklich. Immer irgendwie verschwommen und versteckt in meinem Kopf. Aber doch ständig präsent.
Und jetzt – wo es einen Namen hat – kann ich es ‚greifen‘. Ich kann mich damit beschäftigen. Ich kann darüber nachdenken. Ich kann in mich gehen und es ’sehen‘.
Es ist nicht mehr anonym. Es hat jetzt ein Gesicht.

So, jetzt aber mal Butter bei die Fische…

Was ist Bindungsangst?

Bindungsangst ist, kurz gesagt, die Angst eine feste Bindung (zu einem/r Partner/in) einzugehen.
Das klingt jetzt sehr logisch und einfach, ist es aber nicht. Denn meist ist diese Angst nicht offensichtlich.

Man nimmt es als diffuses Gefühl wahr, wobei man es nicht zuordnen kann und nicht weiß wo es herkommt. Aber man tut alles um dem (der tieferen Bindung) zu entgehen. Man hat auf einmal die wildesten Gedanken und Gefühle. Angst etwas zu verpassen. Das Gefühl das man eingeengt wird. Je enger die Bindung zum Partner/in wird, um so unwohler fühlt man sich irgendwie. Man fängt an den anderen auf Abstand zu halten. Man tut alles um zu verhindern das die Beziehung sich vertiefen kann. Das kann durch (unnötige) Streits passieren. Oder das man – räumlichen und emotionalen – Abstand aufbaut… z.B. keine Zeit mehr für Treffen hat oder sich schlecht fühlt zu sagen ‚Ich vermisse dich.‘ oder ‚Ich liebe dich’… weil man Angst hat das der andere sich dadurch in der Beziehung bestätigt fühlt und selbst mehr Gefühle zulässt.

Viele Menschen wollen ihre Bindungsangst nicht wahr haben bzw. sind sich dieser nicht bewusst. Eben weil sie nicht ‚offen‘ ist. Es ist einfach ein diffuses Gefühl das irgendwas schief läuft. (Bei mir hat das viele Jahre gedauert… wahrscheinlich mehr als 20 Jahre.) Man weiß da ist irgendwas, aber man weiß einfach nicht was. Meist sucht man den Fehler – das die Beziehung nicht funktioniert – beim anderen. Oder bei sich selbst… mal sich aber irgendwas aus… was eigentlich gar nicht stimmt. Oder was nicht das eigentliche Problem ist.
Doch wenn man einmal den Nagel auf den Kopf getroffen hat, dann wird einem schlagartig alles klar. (Zumindest war es bei mir so.)

Die Wissenschaft geht davon aus das Menschen mit Bindungsangst unfähig sind zu anderen Vertrauen aufzubauen. Natürlich liegt der Grund meist wieder in der Kindheit. Wenn die Eltern kühl waren oder abwesend, dann kann es Problem mit der Bindung geben. Aber auch spätere Liebesbeziehungen (die richtig kacke verlaufen) können eine Bindungsangst verursachen.

Also, wie stellt man fest ob man unter Bindungsangst leidet?

Was sind die Symptome der Bindungsangst?

Die Symptome können sich sehr vielfältig äußern. Wir reden hier nicht über einen Schnupfen: Husten, Nase läuft, bissl Fieber… ok, ist wohl Schnupfen.

Man kann auch nicht sagen man Beziehungsgestörte daran erkennt das sie niemanden an sich ran lassen. Jeder Mensch braucht nähe. Jeder Mensche braucht Liebe und Sex. Das Problem bei Menschen mit Bindungsangst ist das „danach“. Das was man gern als „den nächsten Schritt“ bezeichnet. Sie können Lieben, aber wollen und können es nicht wahr haben oder zeigen. Sie machen keine Komplimente, sie sagen nicht „Ich liebe dich“. Oberflächlich ist ok… aber irgendwo ist dann eine Grenze. Wird diese überschritten dann fühlen sie sich unwohl… mehr und mehr. Die Grenze ist bei jedem woanders. Es gibt Beziehungsphobiker die nichts zulassen was über eine Affäre hinaus geht. Andere heiraten sogar.

Erreicht man aber die Grenze, dann fühl sich der Mensch mit Bindungsangst mehr und mehr unwohl. Er (oder Sie) reagiert dann (evtl.) mit folgendem:

  • Zurückziehen in Hobbies oder Arbeit und damit Abstand schaffen.
  • Verweigerung körperlicher nähe (kein Küssen, kein Sex)
  • Nachlassendes Verantwortungsgefühl
  • Grundloses Streiten (emotionalen Abstand schaffen)
  • Keine gemeinsamen Ziele festlegen (Urlaubsplanung, Zukunftsplanung, Zusammenziehen, etc.)
  • Überraschendes Schluss-Machen

Bei solchen „Angstattaken“ kann es durchaus auch zu körperlichen Anzeichen kommen. Wie zum Beispiel Herzrasen, Beklemmungsgefühle, Schweißausbrüche, Panikattaken oder Anspannung.

Wie ist die Bindungsangst bei mir?

Wenn ich es mir so durch den Kopf gehen lasse, sehr unterschiedlich. Es kommt sogar auf die Partnerin an. Bei der letzten nicht soo stark (wir haben sogar zusammen gelebt). Bei der jetzigen schon mehr.

Doch erst einmal… woher kommt meine Bindungsangst?
Das weiß ich noch nicht genau. An meine frühste Kindheit kann ich mich nicht mehr erinnern. Es kann aber auch da eine Ursache geben. Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich 2 oder 3 war. Die Beziehung war wohl eh nicht so unter einem guten Stern. Ich war viel bei den Großeltern, da meine Eltern selbst noch sehr jung waren. Wie gut die Zuneigung da war, kann ich nicht sagen.

Ich denke jedoch das es einen anderen Auslöser gab. Also ich 19 oder 20 war, habe ich mich in eine Freundin verknallt. Leider war es die Freundin eines guten Freundes. Die ganze Geschichte würde hier den Rahmen sprengen. Die Kurzfassung:

Wir haben uns kennengelernt da sie die Freundin eines guten Freundes war. Zudem waren wir quasi auch Nachbarn. Ihr Ex war ein Arschloch und hat sie psychisch wirklich fertig gemacht. Sie hatte teilweise noch Panikattaken mit Atemaussetzern. Keine tolle Sache.
Wir haben uns mehr und mehr angefreundet. Langsam. Irgendwie verstanden wir uns gut. Haben über immer mehr erzählt. Immer offener und über immer tiefere Themen. Wir haben beide immer mehr von uns preisgegeben und irgendwann hatten wir so ziemlich grenzenloses Vertrauen (<- Schlüsselwort). Als Freunde. Nichts war bis dahin passiert.
Und dann, eines Tages, gab es einen winzigen Moment. Beim Zelten am Baggersee. Ich stand da und spürte auf einmal ihre Lippen in meinem Nacken. Sie gab mir – warum auch immer – einen ganz flüchtigen Kuss in den Nacken. Wahrscheinlich ohne Hintergedanken. Aber in dem Moment – und genau in dem Moment – hat es „Booom“ gemacht. (Ich erinnere mich noch an diesen Moment als wäre es gestern gewesen.)
Was dann passierte fällt mir schwer hier zu schreiben. Denn sie ist noch immer die Freundin von meinem guten Freund…
Es blieb nicht mehr nur bei Gesprächen… wir fingen an uns auch körperlich gut zu tun. Und das taten wir. Wir weiteten unsere Offenheit in den Gesprächen auch auf andere Sachen aus. Wir probierten und experimentierten. Waren offen und frei. Ein tolles Gefühl. …

Krass… jetzt wo ich das hier schreibe fällt es mir auf. Es war auch da schon vorhanden. Ich dachte immer das ich sie ‚verscheucht‘ habe weil es nachher größtenteils um Sex ging. Weil ich nie mit ihr ins Kino oder so gegangen bin. Nie raus und mal was anderes machen. … Und irgendwann mussten wir notgedrungen umziehen und auf einmal war da eine riesige Entfernung zwischen uns.
Wahrscheinlich war es auch diese riesige sexuelle Anziehung zu ihr. Aber ich denke gerade auch dort auch die Angst war. Die Angst zu nah zu kommen und es zu vergeigen.
Das ist so krass wenn man sich das alles unter diesem neuen Gesichtspunkt noch mal durch den Kopf gehen lässt.

Aber egal, weiter in der Story. Wir mussten Umziehen. Ich zog zuerst weg. Nur ein paar hundert Meter. Wir haben uns in der Zeit noch ab und zu gesehen. Ich weiß noch das da der Schmerz anfing. Ich hatte noch nie in meinem Leben solche „Herzschmerzen“. Ich habe sie geliebt. Wirklich richtig geliebt. Es hat mich zerrissen nicht mehr so nah bei ihr zu sein. Dann fing die wirkliche Scheiß Zeit an. Nach ein paar Wochen sind auch die beiden Weggezogen. 30km entfernt. Wir sahen uns dann noch seltener. Trotzdem hatten wir, wenn wir uns sahen, weiterhin auch körperlichen Kontakt.
Dann find ich an weiter weg zu ziehen… und weiter… bis ins Ausland… tausende Kilometer entfernt. Das war dann 8 Jahre danach. Dann erst habe ich damit wirklich abschließen können. Also zumindest so das es nicht mehr weh tut. In meinem Herzen wird sie wahrscheinlich immer sein. Und gerade jetzt, wo ich mir diese ganze Zeit damals wieder in die Erinnerung rufe… merke ich doch das dort irgendwo noch eine kleine Flamme ist.
Wie dem auch sei. Ich denke das diese Erfahrung der wirklich auslöser ist. Ich hatte (und habe) nie einem Menschen so vertraut. Nie habe ich einen Menschen so geliebt. Nie habe ich einen Menschen so tief in meine Seele blicken lassen. Und nie wurde ich so verletzt.
Es hat mich zerrissen… für viele viele Jahre.

Also, eine Bindungsphobie muss nicht (nur) aus der Kindheit kommen. Sie kann auch später entstehen.

Wie äußert sich nun meine „Beziehungsverweigerung“?

Das kann sehr unterschiedlich sein. Ich nehme jetzt mal Beispiele aus meiner aktuellen Beziehung.

Unser größter ‚Streitpunkt‘ oder Reibungspunkt ist „Zeit miteinander“. Wir wohnen nicht zusammen. Meist sehen wir uns nur am Wochenende und einen anderen Tag in der Woche. Das ist ihr schon lange zu wenig. Und eigentlich ’streiten‘ wir schon seit gut 2 Jahren um dieses Thema. Sie möchte das wir uns öfter Treffen, ich eigentlich nicht. Aber ja eigentlich auch doch. Natürlich möchte ich sie öfter sehen und mit ihr Zeit verbringen und sie öfter in den Arm nehmen und so. Aber dann ist da dieses Gefühl das mir sagt „Aber du hast so viel Arbeit. Und da ist noch ein Projekt was fertig gemacht werden muss. Und dort müsstest du auch mal noch hin. Und überhaupt ist da absolut keine Zeit.“.
Was passiert da: Ich möchte sie gern mehr sehen und vermisse sie ja eigentlich auch. Aber habe das Gefühl das es mich einengen würde, wenn wir uns öfter sehen.

Das habe ich ihr auch schon mal gesagt. War keine gute Idee. Da ich es nicht begründen konnte. Es ist einfach ein Gefühl … das man sich eingeengt fühlt.
Das kommt natürlich sehr geil wenn einem der Partner sagt das man ihn eineengt.

Gutes Thema. Wortwahl. Ich weiß nicht ob das was mit Beziehungsangst zu tun hat, glaube aber schon. Das man einfach unreflektiert Sachen raus haut. Also Dinge die auch verletzend sein können bzw. sind. Also nicht „Du blöde Kuh“ oder so. Das wäre offen böse. Subtiler.
Ich dachte immer das ich einfach so ein Tollpatsch bin der nicht darüber nachdenkt was er sagt und wie er es sagt. Aber vielleicht ist das auch ein Teil der Bindungsphobie. Das man mit Absicht dinge sagt um den anderen so ein bisschen zu verletzen und ‚auf Abstand‘ zu halten. Auf Abstand halten ist ganz wichtig. Nicht das sie noch mehr Gefühle entwickelt wie eh schon da sind. Dann würde man sich noch näher kommen. Man würde sich noch mehr auf die Beziehung einlassen müssen. Man müsste sich mehr öffnen. Man würde verletzlich werden.

Weder Körper noch Seele wollen verletzt werden. Man kann sich wahrscheinlich ein mal ins eigene Bein schießen. Beim zweiten mal wird man wohl nicht mehr in der lage sein den Abzug zu drücken, weil der Kopf dem Finger nicht mehr den Befehl gibt abzudrücken. Auch die Seele schützt uns vor weiteren Verletzungen. Nur ist sie viel … geschmeidiger darin.

Was noch? Zweifel. Keine Beziehung ist perfekt, das weiß ich auch. Aber wir „streiten“ sehr oft. Sie ist sarkastisch, was ein böser Trigger bei mir ist. Deswegen geht streiten bei uns auch nicht. Aber es gibt auch viele gute Seiten. Irgendwann habe ich dann aber angefangen eher nur noch die schlechten Seiten zu sehen. Ich bin müde von der Beziehung geworden… und habe mit ihr Schluss gemacht. In einem Moment als eigentlich alles gut lief und sie sich sogar selbst zum guten ändern wollte und auch hat. Es wurde mir einfach zu viel. Obwohl gerade in der Zeit sich alles zum guten zu wenden schien.

Nächstes Thema: Zusammen ziehen. Wie schon gesagt haben wir das ewig leidige Thema das wir uns zu wenig sehen (von ihrer Seite aus). Also haben wir – auch schon des öfteren – angesprochen zusammen zu ziehen. Es ist immer im Sand verlaufen. Jetzt wurde es aber ernster. Sie hatte ein Wohnungsangebot gefunden und wollte einen Besichtigungstermin ausmachen. … Das löst bei mir wirklich pure Panik aus.
Gut, es ist jetzt auch nicht so einfach.
Statt einer Wohnungsbesichtigung haben wir jetzt 4 Wochen ‚pause‘. …

Nun ist es schon spät. Ich muss Schluss machen für heute. Vielleicht schreibe ich mal noch weiter irgendwann. Oder mache einen neuen Artikel.

 

Wenn Dich das Thema interessiert, dann lese noch ein bisschen im Netz darüber. Wikipedia hat einen guten Artikel. Oder Google einfach mal.

Es ist wie immer… ist jemand betroffen, dann muss er/sie es selbst als erstes einsehen.

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